Hallo Leute,
mit dieser provokanten These als Überschrift möchte ich meinen Artikel einleiten. “Warum so plakativ?”, fragen sich bestimmt einige an dieser Stelle. Ganz einfach: Seit Thilo Sarrazins “Tabubruch” wissen wir ja alle, dass man bestimmte Gruppen erst beleidigen muss, bevor man auf Missstände hinweisen kann. Und diesem Beispiel wollte ich nun folgen. Aber um ehrlich zu sein: Im Inneren meines Herzen glaube ich langsam wirklich, dass die Befürworter des schweizer Referendums dumm sind. Seit die Debatte um das Verbot von Minaretten begonnen hat, habe ich nicht ein einziges, vernünftiges Argument für ein Verbot zu sehen oder hören bekommen. Selbst wenn man gutgläubig versucht in den Argumenten wenigstens ein Fünkchen Wahrheit zu erkennen, wird man beim besten Willen nicht fündig. Im Folgenden habe ich die Argumente der Befürworter des Referendums einzelnd aufgelistet und kommentiert:
1. Argument: Minarette stellen keine Notwendigkeit dar und sind deshalb ausschließlich Instrumente islamistischer Machtdemonstration.
Dass Minarette selbst aus islamischer Sicht keine Pflicht sind und nicht einmal im Koran erwähnt werden, stimmt zwar, heißt das aber, dass man sie nun verbieten soll, bzw. muss? Minarette sind seit mehr als 1000 Jahren architektonischer Bestandteil einer Moschee und somit Tradition. Selbst in arabischen Ländern, wo der Islam vorherrschend ist und Machtdemonstrationen unnötig sind, werden Moscheen ohne jeglichen Hintergedanken mit Minaretten versehen. Das Minarett ist einfach der Ausdruck des Glaubens. Indem man nun also das Minarett verbietet, diskriminiert man alle die sich damit identifizieren. Man unterstellt allen islamistische und terroristische Intentionen.
Außerdem lehrt uns die Logik, dass wenn ein Minarett Ausdruck islamistischer Macht und gleichzeitig ein Turm ist, dann sind alle Türme Ausdruck einer Macht. Dann sind folglich auch Kirchtürme fortwährend als Machtdemonstration des Papstes zu verstehen (für alle, die zurück ins Mittelalter wollen, Grund zum Jubel also). Desweiteren gibt es in der Schweiz bislang nur vier Minarette! Das soll Macht demonstrieren? Klingt eher, als ob eine Mehrheit in der Schweiz unter Minderwertigkeitskomplexen leidet, sich deshalb bedroht fühlt und deswegen Minderheiten ausgrenzen möchte.
Ist Leuten, die so argumentieren, eigentlich schon einmal in den Sinn gekommen, dass das Minarett auch als Dank an die Mehrheitsgesellschaft und als Zeichen der Achtung der Muslime vor der Schweiz verstanden werden kann, da diese den Muslimen ermöglicht ihren Glauben auszuüben?
2. Argument: Aber Muslime können ja weiterhin ihren Glauben ausüben! Die Religionsfreiheit wurde also ganz und gar nicht eingeschränkt.
Und wie sie das wurde! Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass man seine Gotteshäuser so gestaltet wie man es selbst möchte. Hier hat ein großer Einschnitt in ein Grundrecht stattgefunden!
3. Argument: Der Islam ist aber eigentlich keine Religion. Er ist eine Ideologie, weil er tief in das politische System und das gesellschaftliche Leben eingreift. Das Minarett ist also doch ein politisches Symbol, das es zu verbieten gilt.
Die Naivität solcher Menschen wird nur noch von der Dummheit einiger und der Unkenntnis vieler übertroffen! Dass Religionen einen Effekt auf die Gesellschaft ausüben und dazu eine politische Ebene und Dimension besitzen, ist doch nichts Neues! Das Christentum hat in Europa seit eh und je das gesellschaftliche Leben und den politischen Kurs bestimmt und tut es in Amerika, Lateinamerika und Italien zum Beispiel immer noch sehr stark! In Deutschland heißt die mitgliedsstärkste Partei “Christlich” Deutsche Union. Religion und Politik (das schließt Islam und Demokratie mit ein) widersprechen sich also nicht, sondern können mit- und untereinaner agieren.
4. Argument: Ja, Europa ist christlich! Und das soll auch so bleiben!
Da muss ich leider widersprechen! Europa versteht sich selbst schon längst nicht mehr als christlich (höchstens vielleicht christlich “geprägt”). Sämtliche Staaten der EU bekennen sich ausschließlich zur Demokratie, d.h. Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung aller Religionen.
Außerdem ist ein Land nur so lange christlich (wenn man das überhaupt so bezeichnen kann), wie es christliche Einwohner hat. Was können Muslime dafür, dass die Zahl der Christen in Europa eher abnimmt? Komisch ist darüber hinaus auch, dass man dieses Argument eher selten von Christen bekommt! Wie die Initiatoren des schweizer Volkentscheids, sind es mehrheitlich Konfessionslose, die dieses Argument anführen. Dies ist zum einen auf eine Identitätskrise und zum anderen auf das Feindbild Islam zurückzuführen, das seit dem 11. Seiptember umso heftiger geschürt wird. Die Identitätslosigkeit wird durch einen Sündenbock (in diesem Falle der Islam) kompensiert, auf das man sich konzentrieren kann.
5. Argument: Die Mehrheit hat auf legalem Weg so abgestimmt und basta! Akzeptiert es!
Hitler ist auch auf legalem Weg an die Macht gekommen. Die Mehrheit wählte die NSDAP. Was die meisten denken, muss nicht richtig sein. Ich wundere mich immer aufs Neue über die Verstandlosigkeit einiger Menschen.
6. Argument: OK, die Entscheidung war nicht richtig, trotzdem sollte man die Ängste der Mehrheitsgesellschaft ernst nehmen und die Wünsche berücksichtigen.
Ich nenne dieses Argument das “Bosbach’sche Argument”. Die unbegründeten Ängste der Mehrheitsgesellschaft ernst nehmen? Was ist mit meinen Ängsten? Ich als Muslim kurdischer Abstammung gehöre zur Minderheit. Was ist mit meinen Ängsten? Sollte eine Demokratie nicht Minderheiten (Muslime, Juden, Homosexuelle, etc.) schützen und Ängste und Vorurteile gegenüber solchen eher abbauen?
7. Argument: Weswegen sollten wir aber den Bau von Minaretten erlauben, während Gleiches für Christen in islamischen Ländern untersagt ist?
Wenn wir als demokratische Gesellschaft moralische Überlegenheit beanspruchen, dürfen wir uns nicht an den Fehlern anderer Länder orientieren.
8. Argument: Aber ein Minarett passt doch nun gar nicht in das abendländische Städtebild!
Und Fußballstadien und Bordelle schon? Außerdem kann man auch Minarette so gestalten, dass sie ins Städtebild passen.
9. Argument: Aber weswegen gleich Minarette? Könnten die Muslime nicht wie bislang darauf verzichten? Diesen Anspruch erheben sie doch erst seit Neuestem.
Warum sollten wir? Was stört euch daran, dass wir Minarette bauen? Mir wird aber schnell klar weswegen (s.o.). Trotzdem ist eines aber lustig: Einerseits wirft man Muslimen vor, sie würden sich ausgrenzen und Parallelgesellschaften bilden und andereseits, wenn diese sich in der Gesellschaft zeigen möchten, möchte man sie am liebsten zurück in die industriellen Hinterhof-Moscheen und Terrorschmieden schicken. Kann man sich nicht ‘mal entscheiden? Nein! Man möchte es nicht! Eine Gesellschaft, die keine Identität hat und durch den Islam eingeschüchtert ist, braucht diesen um auf ihn herumzutrampeln und um die eigenen Komplexe zu kompensieren.
Abschließendes
Jeder rational denkende Mensch sollte erkennen, wie im wahrsten Sinne des Wortes hohl diese Argumente sind. Ich muss sagen, dass zunächst selbst mein Glauben in die menschliche Vernunft sichtlich erschüttert war, allein aus dem Grund, dass im Herzen des Heimatlandes der Aufklärung (nämlich in Europa) solch ein rassistisches Unternehmen gelingen konnte. Das beweist lediglich, dass das Feindbild Islam sich längst gefestig hat und islamfeindliche Ressentiments Einzug in die Mitte der Gesellschaft gefunden haben und längst kein rechtsextremistisches Phänomen sind. Danke Sehr.
Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.
Dass du mir argumentativ nichts entgegenzuhalten hast, leere Phrasen von dir gibst und Unsinn postulierst, zeugt von deinem Unverstand.
Die Wahrheit ist nicht immer leicht zu ertragen.